Unser erster Beitrag der Kategorie Besuch ist gleich einer, der viele Gerichte zur Folge hatte. Mit unseren Besuchen wollen wir jene Personen, Institutionen oder Vorhaben vorstellen, die uns bewegen und wir als beachtenswert empfinden.

Beim Isolation Camp, das heuer im Sommer auf der Teichalm in der Steiermark stattfand, stellten wir uns die Herausforderung, eine Woche lang täglich für bis zu 35 Personen in einer winzigen Bauernküche mit Holzofen zu kochen. Das war eine Premiere, jedoch meisterten wir sie erstaunlich gut. Ausgeglichenheit war die Devise.

Wir besorgten alle Lebensmittel und es ist wahrlich erstaunlich, dass wir es schafften unserer Bio-Maxime beim Isolation Camp immer treu zu bleiben, während wir den Beitrag zum täglichen Essen mit nur 7 Euro bemessen mussten. Es war wie immer wichtig, saisonal zu kochen, denn dadurch konnten wir die besten Produkte zu einem fairen Preis erwerben. Gleichzeitig spielen gerade auf einer Alm die regionalen Produkte eine große Rolle. Wir holten uns die Milch vom Bio-Bauern und lernten dort gleich Frischkäse herzustellen. Die frischen Kräuter lagen uns zu Füßen und wurden ergänzt um einige Exemplare aus dem kirchlichen Kräutergarten. Die Beeren und Pilze des Waldes fanden ebenso ihren Platz.

Im Folgenden soll nun das Isolation Camp vorgestellt werden. Wir geben euch hier eine kleine Beschreibung des Projektes und Enden mit einem Interview von Tobias „Ludschi“ Ludescher, dem Erfinder des Camps.



Das Isolation-Camp. 

Vor vielen Jahren entstand rund um ein Netzwerk von Kreativ-­ und Kunstschaffenden der Gedanke eines Ortes, der frei von gesellschaftlichen Zwängen, der Stoppuhr des Alltags und dem Lärm der Städte ist, um sich wieder auf die Natur und den uns eigenen Rhythmus zu besinnen und diese Atmosphäre zum kreativen Schaffen zu nutzen. Im Sommer 2010 wurde dieser Gedanke zur Wirklichkeit, indem ein erster Prototyp des Isolation Camps in Vorarlberg durch Tobias „Ludschi“ Ludescher organisierte wurde.

Nach 4-­jähriger Entwicklungsphase war das Isolation Camp soweit den nächsten Schritt zur Verbreiterung und Stärkung des künstlerischen Netzwerkes zu wagen. Im Jahr 2014 waren zum ersten Mal zwei Isolation Camps geplant. Das eine fand in Tirol statt, das andere, bei dem wir uns mit unseren Kochkünsten verwirklichen konnten, in der Steiermark, genauer gesagt in der Vogelhütte auf der Teichalm. An dieser Stelle ein großer Dank an Paul Riedmüller für die Organisation des Isolation Camps Steiermark.



Die Isolation Camps bieten einen Raum für den kreativen Austausch von lokalen sowie internationalen Künstlern auf abgeschiedenen Berghütten. Jedes Jahr sind neue Gesichter aus verschiedensten Ländern zu sehen und dieses Zusammentreffen ist geprägt von Respekt und Neugier gegenüber den anderen Personen und deren Arbeit. So wird das Camp von einer bunten Mischung aus Illustratoren, Designern, Malern, Fotografen, Filmern, Musikern, Köchen, Tontechnikern und Kalligrafen bevölkert, die ihre Erfahrungen und Techniken ohne Scheu und Vorbehalt austauschen, miteinander experimentieren und voneinander lernen.

Auch regionale sowie zwischenmenschliche Einflüsse sind ein fester Bestandteil des Camps. Wie von selbst wird die unmittelbare Umwelt um die Hütte, die Landschaft und das Wetter in den kreativen Prozess miteinbezogen.

Wie schon in den vergangenen Jahren, werden auch heuer die entstandenen Kunstwerke im Rahmen von mehrwöchigen Ausstellungen an verschiedenen Orten präsentiert.


Interview mit Tobias „Ludschi“ Ludescher.

Was war der Auslöser, dass du ein Camp auf die Beine gestellt hast, dessen Grundprinzip die Isolation in der Gruppe darstellt?

Ludschi: Da gab’s mehrere Beweggründe dieses Projekt zu starten, allerdings keinen bestimmten Auslöser. Zum einen wollte ich meine kreativ tätigen Freunde aus allen Himmelsrichtungen zusammenbringen, dass sich diese vernetzen. Quasi während man gleichzeitig zusammen zeichnet, chillt, musiziert, kocht, isst und abwascht…eine temporäre XXL WG eben. Und alles ohne Ablenkungen des Alltags und nur die Natur als Ausbruchsmöglichkeit. Zum anderen erhoffte ich mir wunderschöne Gemeinschaftswerke, denn die einzelnen Geladenen sollten , auch ihr Talent in den Topf werfen. Dieses Szenario als Vorstellung reichte mir dann als Motivationsdiesel, damit ich dann eben meinen Motor zum Laufen brachte.



Welche Wirkung und hast du erwartet und ist diese eingetroffen?

Ludschi: Ich habe gehofft, dass die ganze Gruppe eine Eigendynamik entwickelt, die konstruktiv und gleichzeitig auch erholsam sein würde. Ich wollte einen Ort für erwachsene Kinder, die ihre Hemmschwellen Neues auszuprobieren herunterfahren können und Interesse an ihrer Umgebung haben. Dass das Camp seine Teilnehmer während des restlichen Jahres beeinflussen würde, durfte ich nicht erwarten, passierte aber beim einen oder anderen. Ich erhoffte natürlich auch, dass sich neue Freundschaften, Projekte und Möglichkeiten ergeben würden…eigentlich passierte alles wie ich’s mir erträumt hatte. Sogar dass jemand sich aus diesem Netzwerk entschließen würde sein eigenes Camp zu organisieren und ich selber in die Rolle des Campers schlüpfen durfte – danke Paul!



Was blüht uns in der Zukunft?

In der näheren Zukunft blüht euch Hauptstädtlern eine Doppelausstellung, nämlich im April im ADHOC sowie im RabbitEyeMovement! Wir wollen 2015 auch endlich eine Platte rausbringen mit den besten Liedern und Soundcollagen. Nach 6 Camps und 5 Jahren natürlichen Wachstums, ist es an der Zeit unser analoges Projekt online zu stellen. Unsere Seite Isolationcamp.com sollte im Frühling fertig sein – darauf sind wir schon sehr gespannt! Mein Ziel ist es, auch dieses Projekt in andere Länder zu bringen und mit der Zeit mehr und mehr Leuten unser soziales Kunstexperiment näher zu bringen. Aber gut Ding braucht Weile und es gibt keine Eile, denn alles beruht auf freiwilliger Basis und ohne Zeitdruck. Viel weiter will ich nicht ausschweifen, am besten ihr haltet Augen & Ohren offen!


 

♥ Isolationcamp.