Wie bereits in unserem Æ Plädoyer erwähnt, kochen wir gerne in Gesellschaft. Uns sind der Gäste nie zu viel. Nicht nur, dass wir unglaubliches Vergnügen empfinden, sobald sich der Genuss auf den Gesichtern unserer Freunde und Mitmenschen abzeichnet, sondern auch das gemeinsame Zubereiten und das bewusste Beteiligen aller am Kochprozess ist eine wahre Freude.

Unsere Holy-Crêpes Session ist ein Paradebeispiel für Kochen in der Gemeinschaft, so wie wir es lieben. Die Möglichkeit ergab sich, wie so einige unserer Rezepte, am Isolation Camp und wurde nicht nur beim Schopf gepackt, sondern auch gebührend gefeiert. Wir bereiteten den Crêpes-Teig und die Füllungen gemeinsam mit allen vor, damit dann jeder Einzelne seine höchst persönliche Version selbst zusammenstellen und zubereiten konnte. Geendet hat unser Gelage mit einer glorreichen Photostrecke einiger der Beteiligten, die sich bereitwillig (mit ihrem Crêpe) ablichten ließen.


 



Ein wenig Hintergrundwissen zwischendurch.

Die süße Crêpe hat ihren Ursprung in der Bretagne im Nord-Westen Frankreichs. Jedoch ist ihre Tradition dort weit nicht so lange zurückreichend, wie jene ihrer Mutter bzw. besser gesagt ihrer Urgroßmutter der pikanten Galette. Die Besonderheit der Galette ist die Verwendung von Buchweizenmehl, das erst im 12. Jahrhundert aus Asien nach Europa gelangte. Damals war ein ziemlicher Griss um das Korn, da es schnell reifte und auch unter kargen Bedingungen gedieh. Heute ist der Buchweizen bedauerlicherweise etwas in Vergessenheit geraten, weswegen wir ihn an dieser Stelle gerne auf das Podest heben.

Alte, oftmals etwas vernachlässigte Sorten haben in unseren Herzen einen ganz besonderen Platz und können gar nicht oft genug in den Vordergrund gerückt werden, was wir für uns als großen Auftrag definiert haben. Nur weil sich ein Gewächs nicht optimal auf die Anforderungen des Marktes hochzüchten lässt, heißt es nicht, dass es nicht ganz anders, viel spezieller oder einfach individueller schmeckt, als der Verwandte im Supermarkt. Wann hat jemand zum Beispiel das letzte Mal eine echte Mandarine gekauft? Mittlerweile bekommt man fast ausschließlich Satsumas oder Clementinen, die als Hybride zwischen Orangen und Mandarinen entstanden sind und sich etwas besser anbauen lassen. Sie haben genauso ihre Berechtigung, vorausgesetzt sie verdrängen mit ihrem profitableren Anbau andere Sorten nicht komplett. Effizienz ist wichtig, aber Leidenschaft und Zeit für die Dinge, die uns am Herzen liegen, gibt dem Leben und unserem Dasein einen tieferen Sinn.

Und nun zurück zu den Galettes, die im Vergleich zu den süßen Crêpes als Hauptspeise serviert werden und pikant gefüllt sind. Die Füllungen von Galettes haben keinen Anfang und kein Ende, tatsächlich eignet sich fast jedes Gemüse gebraten oder frisch darin Platz zu nehmen, ebenso können Eier in jeglicher Form, Käse, Tofu oder Fleisch ihr Programm spielen – wir empfehlen einfach mal loszulegen!


 


Der Teig.

Wir verwenden sowohl für die pikante Variante, die Galettes, als auch für die süßen Crêpes denselben Teig. Buchweizenmehl hat eine wunderbar nussige Note und auch wenn klassische Crêpes mittlerweile oft ausschließlich aus Weizenmehl bestehen, finden wir, dass ihnen das gewisse Etwas ziemlich gut steht.

Wenn wir Crêpes machen, schütteln wir sie meist direkt aus dem Handgelenk. Ein genaues Rezept haben wir nicht, da man auch wirklich nicht viel falsch machen kann und man nur mit ein wenig Gespür den Teig prüfen muss. Nichtsdestotrotz haben wir euch hier die Zutaten mit Mengenangaben niedergeschrieben, jedoch darf und soll auf den Bauch gehört werden.


Buchweizenmehl
200 Gramm
Weizenmehl
50 Gramm
Milch
200 Milliliter
Sodawasser
200 Milliliter
Eier
2
Olivenöl
1 Esslöffel
Salz
1 Teelöffel

So einfach wie es sich liest, so einfach ist es auch. Alles rein in die Schüssel und umrühren. Wer keine Milch mag, soll sie durch das Sodawasser ersetzen. Wer keine Eier hat, verzichtet darauf. Wer gerade nicht zu Buchweizenmehl kommt, nehme halt Weizen oder Vollkornmehl. Wir sind die Meisterinnen der Improvisation und wollen auch alle anderen dazu anstiften… man entwickelt ganz einfach ein besseres Gespür.

Nachdem sich die Zutaten gut in einer Schüssel vermengt haben, muss der Teig ein wenig rasten, eine halbe Stunde sollte es schon sein, denn nur so kann das Mehl quellen. Anschießend inspiziert man die Konsistenz, also die Flüssigkeit des Teiges. Er sollte, dickflüssig sein und irgendwo zwischen Schlagobers und flüssigem Honig liegen. Sollte dies nicht so sein, bindet man ihn entweder mit etwas mehr Mehl oder verflüssigt ihn mit etwas mehr Sodawasser, das den Teig übrigens ein wenig aufheitert.


Die Spinat-Fülle


Blattspinat
500 Gramm
Zwiebel
2
Knoblauch
2-3 Zehen
Faschiertes Rindfleisch
oder Tofu
250 Gramm
Schafskäse
150 Gramm
Muskatnuss
Oregano
und weitere Kräuter nach Verfügbarkeit

Die Zwiebeln werden glasig gebraten, es folgen Knoblauch und Tofu oder faschiertes Rindfleisch. Wir versuchen immer regionale sowie Bio-Produkte zu verwenden, bei Fleisch und Produkten im Zusammenhang mit Tieren, ist uns dies jedoch ein besonders großes Anliegen, deswegen sei es hier nochmals erwähnt.

Nachdem der Tofu bzw. das Fleisch angebraten ist, kommen der Spinat, die Muskatnuss und die Kräuter hinzu. Sollte etwas Flüssigkeit zwischendurch notwendig sein, kann einfach Weißwein oder Wasser eingegossen werden. Am Schluss wird der Schafskäse zerbröckelt und mit den restlichen Zutaten vermengt.



Die Ratatouille-Fülle


Melanzani
Zucchini
Paprika
Jungzwiebel
Knoblauch
 
Limetten
Weißwein
Tomaten im eigenen Saft
1 (hochwertige) Dose
Kräuter der Provence
wie Thymian, Oregano, Rosmarin, Majoran,
Lavendel, Estragon,
 
Ausbauvorschläge
Schwarze Oliven, Kapern, Sellerie, Kürbis, Pilze,
was eurer Fantasie noch so einfällt

Die zweite Füllung ist de facto ein Ratatouille – also in klassischer Ausführung, ein Gemüse-Eintopf  aus Melanzani, Zucchini, Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch. Wir haben euch unsere Variante mit Jungzwiebeln und Limetten aufgeschrieben und einige Vorschläge für weitere Zutaten aufgelistet. Die Mengenangaben wurden absichtlich weggelassen, damit man einfach das nimmt, was einem gerade zur Verfügung steht und Freude bereitet.

Alles wird in nicht allzu kleine Stücke geschnitten, die Melanzani werden, wie auch bei den gebratenen Melanzani im Falafel-Dürüm Spezial näher ausgeführt, mittels Salz entwässert. Man brät das Gemüse (ohne die Tomaten) an und löscht es mit etwas Weißwein oder Wasser ab, danach folgen die Tomaten, die dem Eintopf noch etwas mehr Flüssigkeit zum Schmoren geben. Wir raten euch, außer ihr habt wirklich vollreife Früchte zur Verfügung, verwendet Glas- bzw. Dosentomaten für solche Gerichte, da diese am Zenit ihres Daseins geerntet werden und geschmacklich einfach besser sind.

Das Ganze soll bei schüchterner Flamme ca. 15-20 Minuten köcheln. Danach wird gesalzen und gepfeffert, die Kräuter verleihen noch den letzten Schliff.



Die Schwarzbeer-Topfen-Joghurt Creme


Schwarzbeeren
oder andere Beeren und Früchte
100-250 Gramm je nach Verfügbarkeit
Joghurt
200 Gramm
Topfen
100 Gramm
Honig
je nach Präferenz des Süßschnabels
Vanille
am besten direkt aus der Schote
Salz
eine Priese
Zitronenschale

Zum Finale kommen wir nun zur süßen Variante, den Crêpes. Wir haben uns entschlossen, da wir zur Schwarzbeersaison auf der Alm waren, diese auch gebührend einzusetzen. Somit entstand die hier beschriebene Joghurt-Creme, die natürlich auch ganz einfach abänderbar ist und an die Saisonalität der Zutaten angepasst werden kann.

Alles miteinander vermischen, abschmecken und voilà das war’s schon. Himmlisch ist das!

Vor allem die Farbe – BÄM!



Der Fertigungsprozess.

Crêpes oder Galettes zu machen ist natürlich am einfachsten mit einer Crêpière – einer kreisrunden beheizbaren Platte. Esa’s herzallerliebster Bruder hat ihr mal eine zu Weihnachten geschenkt und sie ist schon bei diversen Festivitäten zum Einsatz gekommen. Da aber nicht jeder in diesen Genuss kommt, kann natürlich auch eine große beschichtete Pfanne verwendet werden.

Um bei den Galettes geschmacklich nochmal eins draufzusetzen, haben wir ebenso das Kräuterpesto, wie es auch bei der Frittata zum Einsatz kam, bereitgestellt. (Man hackt oder mörsert frische Kräuter mit Salz und Olivenöl bis eine paradiesische Creme entsteht.)

Zum Schluss konnte jeder seine eigenen Galettes und Crêpes herstellen. Da es nur eine Platte gab, dauerte der Prozess über mehrere Stunden und es musste auch Geduld bewiesen werden. Man versicherte uns jedoch, das Warten hatte sich gelohnt.


 


 

DANKE ALLE! ALLE DANKE!