Holla die Waldfee, lasst uns Holunder reden!

Reiß ma kurz die botanischen Hardfacts an: Der Holunder sprießt als eigene Pflanzengattung in 25 Arten aus dem Boden und schafft es zum stattlichen Alter von +100 Jahren. Bei uns trifft man am häufigsten den Schwarzen Holunder – vulgo Holler – und  Roten Holunder – auch Bergholunder, der in höheren Lagen mit dem schwarzen Holler abklatscht. In Mitteleuropa ist der Strauch extrem verbreitet – die Nummer 1 unter den Gehölzen – da nicht nur viel von ihm verwertet werden kann, er von super g’sund bis zur Heilpflanze das ganze Programm spielt, sondern auch der Volksglaube ganze Kultrituale rund um ihn gefeiert hat. Der Holler vor der Hütte schützt vor: 1. Gewitter und 2. böse Geister. Oha.



Der Wunder-Holunder.

Grundsätzlich sind die Blätter und Beeren ein bisserl toxisch – also Obacht walten lassen – denn im rohen Zustand führt das enthaltene Sambunigrin zu Erbrechen oder Durchfall. Sobald die Blätter oder  Beeren erhitzt werden – 26 Grad reicht da schon aus – zerfällt das Sambunigrin und wird total bekömmlich. Der Holunder wirkt wunderbar natürlich entzündungshemmend, schleimlösend, schweißtreibend, schmerzlindernd und last but not least Immunität stimulierend. Die Beeren sind geladen voller Vitamin A und C. Macht schon Sinn, dass er bei uns solch eine sagenhafte Geschichte hat.

Einsatzgebiete:
Erkältungen, fiebrigen Grippeinfekte, Husten, Nebenhöhlenentzündungen, Halsschmerzen, Bronchienprobleme, Gicht, Rheuma, Ischias, hoher Blutzucker, Ödeme, Blähungen, Kopfschmerzen, Nervosität, Schlaflosigkeit, unreiner Haut und Entzündungen.

Die Blüten und Blätter können frisch oder getrocknet zu Tee aufgegossen werden. Die Beeren kann man zum Saft aufkochen – wer mag, gibt ein bisschen Zucker dazu – und Stamperlweise prophylaktisch oder bei diversen Wehwehchen zu sich nehmen. Danke an dieser Stelle an ♥ Julia Wolfheart für deine wunderbaren Holler-Shots beim letzten Isolation Camp.


Der köstliche Holunder.

Die Blütezeit ist ziemlich variabel zwischen Mai und Juni einzuordnen, je nachdem wie sonnig sein Platzerl ist, beziehungsweise wie hoch oben er sich gesettelt hat und dauert nur wenige Wochen – also husch husch ab zur Ernte! Aus den Blüten kann man bochane Holla Blia machen. Dafür aus Mehl, Milch, Eiern und einer Prise Salz einen Backteig bereiten, die Blüten mit dem Stiel nach oben auf Tauchstation schicken und in heißem Öl rausbacken. Mit Zimt & Zucker genießen. Ab August kann man aus den Beeren zum Beispiel den legendären Hollerröster fabrizieren. Holunderbeeren entstielen und mit Zitronensaft, Nelken, Zimt sowie etwas Wasser 20 Minuten kochen. Einen Apfel reiben und gemeinsam mit ein paar halbierten Zwetschken sowie nach Belieben Zucker weitere 10 Minuten einkochen. Der Schmarrn wird jubeln.



Wir lieben den Saft.

Nehmt euch ein Körberl und geht wie Rotkäppchen ab in den Wald, denn dort sind die Blüten rein und jungfräulich unbefleckt von den Abgasen der Straßen.



Holunderblüten
30-40 Stück
Zitronen (bio!)
500 Gramm
Wasser
anderthalb Liter
Zucker
1 Kilogramm


Holunderblütensaft lässt uns aufblühen und die Herstellung ist wahrlich keine große Hexerei. Die Blüten werden etwas abgeblasen – bloß nicht waschen, sonst gehen die Aromen flöten – und gemeinsam mit den in Scheiben geschnittenen Zitronen in ein großes Gefäß gelegt. Das Wasser gemeinsam mit dem Zucker aufkochen bis er sich auflöst, etwas abkühlen lassen und über die Blüten gießen. An einem kühlen Ort 24-48 Stunden ziehen lassen. Durch ein Mulltuch abseihen und in saubere Flaschen abfüllen.