Wir besuchen die Wurzeln und kosten ihre Früchte. Sobald man den Lukashof betritt, steht ein bisschen die Zeit still. Man will den Moment mit allen Sinnen fassen und für die Ewigkeit (und noch viel weiter) festhalten. Haut und Blumen werden von der Sonne geküsst, die Nase richtet sich zum Wind, der den Duft der Kräuter durch den Hof trägt, das Auge sieht sich an den farbenprächtigen Details satt. Da will man eintauchen und baden gehen.



Der Lukashof liegt in Grafendorf unweit von Stainz – wo wir aufwachsen durften – somit stand der Tag auf allen Ebenen unter dem Motto: back to the roots – und das war schön so. Der geschichtsträchtige Hof wurde im 16. Jahrhundert erstmals protokolliert und wird seit jeher als Familienbesitz von einer Generation zur nächsten übergeben. Diese Verantwortung spürt und sieht man. Es geht hier niemals um kurzfristige (Profit-) Maximierung auf Kosten anderer – die Nachhaltigkeit aller Vorhaben ist so angenehm selbstverständlich, stellt sich unweigerlich die Frage, warum das nicht überall so leicht gelebt werden kann. Der vielzitierte Satz von Alois und Dagmar Högler, „wir sind nicht nur die Erben unserer Eltern, sondern auch die Pächter unserer Kinder“ trifft den Nagel auf den Kopf und umfasst die dahinterstehende Philosophie der Familie in wenigen Worten.



Seit 1987 werden der Hof und die dazugehörigen Felder biologisch bewirtschaftet. Man setzt auf altbewährtes Wissen und ist stets auf der Suche nach neuen Ansätzen. Dass die Natur die Grundlage des Lebens ist und man sich dessen immer wieder besinnen sollte, ist hier allen bewusst. Selten sieht man die verschiedenen Beziehungen und Abhängigkeiten auch so direkt, wie wenn man sich hier am Hof umsieht. Die Rosenfelder sind beispielsweise nicht nur Lieferanten für das Rosensalz, den Rosensirup oder den Rosenblütensenf – selbstverständlich alles handgepflückt, damit die Pflanzen keinen Schaden tragen – sondern bieten den Insekten und vor allem Bienen einen wertvollen Lebensraum.

Für die rund 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – die meisten davon direkt aus der Familie – sind diese Zusammenhänge das Um und Auf der kleinen Hof-Manufaktur. Das behutsame Ernten zu den richtigen Zeitpunkten und Bedingungen sowie die darauf folgende schonende Verarbeitung in Handarbeit über dem Holzfeuer trennt die Spreu vom Weizen und ja, das schmeckt man auch. Das Beste vom Besten ist lediglich die Basis für all die Kreationen, die jedes Jahr hervorgebracht werden. Das Sortiment variiert – je nach Saison, Reife, Launen der Natur und Köchinnen – stark und ist oft auch nur auf eine bestimmte Anzahl von Gläsern begrenzt. Man tüftelt und experimentiert, kostet und verfeinert, setzt an und lässt reifen – es entsteht eine Bandbreite an über 100 verschiedenen Produkten – von Pesti, Chutneys, Senfe, Schmalze, süß oder pikanten Konfitüren & Gelees, Knabberkernen, zu Essigen und ganz neuen Kreationen wie Hydrolaten oder Sauerhonigen.



Wir bereiten den Boden vor.

Bei unserem Besuch haben wir auch die Möglichkeit am Schopf gepackt sind der lieben Einladung von Kathrin Messner gefolgt am Hof zu kochen. Nachdem wir bei Kaffee und Rosenblütensaft die ersten Geschichten zur alten Schnapsbrennerei vom Michael Högler erfuhren, ging es zwischendurch in den Kräutergarten und zu den Tomatenpflänzchen, um die sich seine Mama Dagmar sorgsam kümmert und mit Hingabe zum Florieren bringt. Sandra, die Haus- und Hofköchin, führt uns in die Eigenheiten des Holzofens ein und Ingrid, die Schwester von Michael baut nebenbei ihre Blitze zum Photographieren in der Küche – einer ehemaligen Scheune – auf. Es bleibt auch noch genügend Zeit, um mit Alois, dem Papa der beiden, über die Herausforderungen des kleinen Bio-Betriebes, der immer schon seiner Zeit voraus war, zu diskutieren. Wir tauchen in den Alltag ein und ziehen den Hut, wie viel Arbeit und Zeit dahinter steckt.



Die Häppchen.


Um den vielen Produkten eine Bühne zu bieten, haben wir am Vortag einen Topfenblätterteig gemacht und mitgebracht. Der Teig wird zur Spielwiese für all die Lukashof’schnen Köstlichkeiten und freut sich über die Einbettung als Fingerfood bei zukünftigen Führungen am Hof.

der Topfenblätterteig.


Mehl
250 Gramm
Topfen
250 Gramm
Butter
150 Gramm
Salz & Pfeffer

Kalte Butter in kleine Stücke schneiden – je kleiner, desto besser und schneller wird sich der Teig fügen. Mehl, Topfen und Salz mit der Hand vermengen, danach die Butter ebenso einarbeiten. Gekühlt (mindestens 2 Stunden oder über Nacht) rasten lassen.

Um den Teig vielschichtig zu machen, wird er ausgerollt und wieder in mindestens drei Schichten gefaltet. Ausgerollt, gefaltet, ausgerollt und gefaltet. Hier steckt die meiste ‚Arbeit’ beziehungsweise Fleißaufgabe drin. Uns macht das Walken aber ohnehin großen Spaß und mit genügend Mehl, sodass der Teig weder am Boden noch am Nudelwalker festpickt, sollte die Ausrollerei auch recht schnell gehen. Nach all dem Gewalke darf der Teig dann noch 20 Minuten in den Kühlschrank, währenddessen die frischen Zutaten an die Reihe kommen.

die Draufgabe.

Um die Pesti, Schmalze, Chutneys und Senfe vom Lukashof nicht ganz alleine aufs Podest zu schicken – auch wenn ihnen an Selbstvertrauen keineswegs etwas fehlt – haben wir ihnen ein paar frische Gefährtinnen und Gefährten zur Seite gestellt. Da waren Spargel, Seitlinge, Paradeiser, und Ingwer gemeinsam mit Krenblättern, Schnittlauch, Thymian, Basilikum, Brennnessel, Gundermann, Frauenmantel und Fünffingerkraut im Spiel.



Viel schöner noch, wenn Michael neben dem besten Gemüse und Kräutern aus dem Garten auf regionale Produkte aus der unmittelbaren Gegend zurückgreift. Da pocht das Herz, schnell sogar.

Der Spargel hatte grade Saison und wird in diagonale Streifen geschnitten, die Seitlinge in Scheiben, der Ingwer in feine Streifen, die Nüsse gebrochen und die Kräuter gezupft.

der Aufbau.

Der Teig wird je nach gewünschter Bissigkeit auf ein paar Millimeter aufgerollt und in formschöne Quadrate, Kreise, Trapeze, Rauten, Drachen, Hexa-, Penta-, Ennea-, Okta- oder Parallelogramme ausgeschnitten. Danach folgt die Draufgabe der wunderbaren Gaumenkitzler. Hier stellen wir euch eine Auswahl an frei erprobten Variationen der unendlichen Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten vor:


Von ihrer süßen Seite können sich die Häppchen auch immer sehen lassen. Dafür haben wir kleine Tascherln mit folgenden Gelees und Marmeladen gefüllt –  Zwetschke-Rum Konfitüre, Altsteirischer Streuobstapfel Schoko-Orange Konfitüre und Streuobst-Apfel Konfitüre mit Rosenblüten – der Phantasie sind aber auch hier keine Grenzen gesetzt.



der Abschluss.

Das Krönchen bekam unser Besuch beim Lukashof noch ganz zum Schluss aufgesetzt. Die vielfäligen Kreationen unserer Kopfgeburten wurden nach 15-20 Minuten im Rohr – beim Lukashof wird das zu unserem Entzücken noch mit Holz befeuert – zu wahrlichen Gaumenfreuden. Um den großen Arbeitstisch herumstehend, den warmen Ofen im Rücken,  verkosteten wir gemeinsam mit Dagmar, Ingrid, Alois und Michael bei einigen Gläsern Wein und großartigen Gesprächen die fabrizierten Köstlichkeiten. Zum Abschied haben wir noch ein paar neue Kreationen, die sich gerade in der Testphase befinden, wie Erdbeesirup und Ketchup (hot!) mit auf den Weg bekommen. Da tauchen wir (und glaubt uns, ihr auch) gerne ein und sind begeistert, was hier geschaffen wird und wurde.



Wir legen euch einen Besuch beim Lukashof sehr ans Herz – viel schöner noch, dass man sich verschiedene Führungen überlegt hat, damit für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Danke für die gemeinsame Zeit, wunderschöne Stimmung und geteilten Gedanken. Weiter so!

zum Lukashof.